Gefahr by Patricia Cornwell

Gefahr by Patricia Cornwell

Autor:Patricia Cornwell [Cornwell, Patricia]
Die sprache: deu
Format: epub
Herausgeber: Hoffmann und Campe Verlag
veröffentlicht: 2006-06-07T04:00:00+00:00


9. Kapitel

Der rechtsmedizinische Pathologe, der die Obduktion des Zugunfallopfers vornahm, starb eine Woche später an einem Sonntagnachmittag beim Fallschirmspringen, weil sich sein Schirm nicht öffnete.

Wenn Sykes nicht die Originalakte vor sich gehabt hätte, sie hätte es nicht geglaubt. Schlechtes Karma, denkt sie voller Unbehagen. Als Kind war sie fasziniert von Archäologie, eines der wenigen Themen, die sie interessierten, vielleicht weil es nicht in der Schule unterrichtet wurde. Aber als sie von Tutenchamuns Grabstätte erfuhr, von dem Fluch und den mysteriösen Todesfällen, verlor sie das Interesse.

»Vor zwanzig Jahren stirbt Mrs. Finlay«, berichtet Sykes Win am Telefon. »Zwei Jahre davor der Zugunfall, dann der tote Pathologe. Ich glaube, ich leide an Verfolgungswahn.«

»Kann Zufall sein«, gibt er zurück.

»Warum war dann das Bild an die Liste von Finlays persönlichen Gegenständen geheftet?«

»Vielleicht sollten wir das nicht unbedingt am Telefon besprechen«, schlägt Win vor. Er mag keine Handys und bezweifelt, dass sie abhörsicher sind.

Sykes ist allein in einem kleinen Büro im zehnten Stock eines großen beigen Gebäudes hinter der Universitätsklinik Chapel Hill. Sie ist ziemlich verwirrt. Es kommt ihr vor, als würde Vivian Finlays gewaltsamer Tod immer sonderbarer, je länger sie ihn untersucht. Zuerst verschwindet die Akte, und es findet sich lediglich eine Auflistung der Kleider, die sie zum Zeitpunkt ihres Todes getragen haben soll – Tennissachen. Sie haben aber anscheinend die falsche Größe. Dann gibt es ein Zugunglück, das irgendwie mit Finlays Tod zu tun haben könnte, und jetzt noch der Arzt mit dem Fallschirm.

»Nur ein paar Fragen«, sagt Win. »So wenig Details wie möglich. Wie passierte es?«

»Der Schirm öffnete sich nicht.«

»Dann hätte er untersucht werden müssen.«

»Ich kann dir das alles mailen«, sagt Sykes. »Dann kannst du es selbst lesen. Wann kommst du zurück?«

Sie fühlt sich allein, im Stich gelassen. Er ist da oben mit der Staatsanwältin, macht große Schlagzeilen mit ihr. In Sykes’ Augen war Win in eine Schießerei verwickelt, sollte sich möglichst schnell aus dem Staub machen und ihr unten in Tennessee helfen. Es ist sein Fall, auch wenn sich das langsam anders anfühlt. Aber die Tatsache bleibt: Es ist sein Fall. Typisch: Kaum passiert etwas Spektakuläres, wird eine vor zwanzig Jahren ermordete alte Frau fallen gelassen. Wen kümmert’s?

»Sobald ich kann« ist alles, was Win dazu sagt.

»Ich weiß ja, dass du da oben dicke Probleme hast«, erwidert Sykes so vernünftig wie möglich. »Aber das ist dein Fall, Win. Und wenn ich nicht mehr zum Unterricht komme, macht mir das TBI die Hölle heiß.«

»Ich kümmere mich drum, versprochen«, beruhigt er sie.

Das verspricht er immer, aber bis jetzt hat er sich einen feuchten Dreck gekümmert. Sykes redet fast ausschließlich mit ihm, übt nicht, hängt abends nicht mit den anderen herum, um zu diskutieren, was sie tagsüber im Unterricht gelernt haben, gerät ins Hintertreffen, versteht die neuesten Entwicklungen in der Rechtsmedizin und der Ermittlungstechnik nicht mehr richtig und hat keine Freunde. Sie beschwert sich darüber, und er sagt, mach dir keine Sorgen. Du hast doch mich, ich bin ein guter Lehrer. Sie sagt, vielleicht sollte ich mich nicht so sehr auf einen Mann konzentrieren, der fast



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